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Die Sprache der Macht, oder die Macht der Sprache?
Die Sprache der Macht, oder die Macht der Sprache?
In der Mailingliste der Freidenker wurden einige interessante Gedanken zur Sprache (Hochdeutsch) als Herrschaftssprache geäußert, dabei wurde auf verschiede Erfahrungen zurück gegriffen, zum einen auf Lebenserfahrungen, welche in der DDR mit Sprache gesammelt wurden und zum anderen standen Erfahrungen aus der BRD zu Buche. Dass Sprache letztlich auch etwas mit Bildung zu tun hat, wurde dabei genauso herausgearbeitet, wie ihre historische Bedingtheit, so wie der Einfluss der verschiedenen Bildungssysteme.
Folgenden Beitrag habe ich in die Liste gestellt:
Hallo Hannelore, Claudia und alle anderen Mitleser,
es war in der DDR nicht nur etwas anders, dieses wird (nicht nur mir) nach der Erfahrung von 20 Jahren BRD, jeden Tag von neuen verdeutlicht. Das das auch auf die Sprache zutrifft, ist eigentlich nicht ungewöhnlich und selbst auf die Gefahr hin, dass ich einiges wiederhole, hier meine Gedanken zum Thema:
Sprache und Dialekt, ja, es ist so eine Sache mit der Sprache (hochdeutsch) und dem Dialekt, wie auch mit der Herrschaft. Wenn nun noch daran gedacht wird, dass auch mit Dialekt geherrscht und beherrscht wurde, wäre es schon interessant den Hintergrund des Hochdeutschen zu ergründen. Das es sich dabei ursprünglich um einen Dialekt aus höher gelegenen Gebieten handelte, scheint plausibel, genauso wie die Erwägung, dass er im Zuge der Machtausübung, eines diesem Gebiete entstammenden Herscherhauses, auf die beherrschten Gebiete ausgedehnt wurde und später standardisiert. In diesem Zusammenhang sei angemerkt, war es durchaus üblich, dass die herrschenden Kreise ihre Sprache mitbrachten und die Beherrschten sich im Kontakt mit diesen dem anzupassen hatten.
Wie dem auch sei, in erster Linie wurde dem Zweck entsprechend gesprochen, im Laufe der Zeit weniger der Herrschaft von Personen, als vielmehr der Herrschaft von Technologie geschuldet, oder vielmehr der Beherrschung dieser, und zwar erst einmal der Beherrschung der sich entwickelnden modernen Produktivkräfte. In diesem Zusammenhang sei auch an andere Standardisierungen, vom metrischen System bis hin zur DIN, gedacht. Immerhin ist die Sprache das entscheidende Mittel zur Verständigung und in dieser Hinsicht sind Dialekte eher konservativ.
Die Rolle der Sprache und ihre Entwicklung wird deutlich, wenn das Fortschreiten ihrer Standardisierung betrachte wird, welches relativ parallel zur Produktivkraftentwicklung verläuft und von dieser nicht zu trennen ist. Das sich das Hochdeutsche in diesem Zusammenhang auch als Verwaltungssprache entwickelt hat, ist zwangsläufig und das Verwaltung auch zur Beherrschung des Volkes dient, legt sicher den Verdacht nahe, dass es sich um eine Herrschaftssprache handelt.
Nur schauen wir in der Geschichte zurück, ab wann entwickelte sich der Einfluss des hochdeutschen und ab wann wurde begonnen die Sprache zu ordnen und Regeln fest zu schreiben? Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Gebrüder Grimm, aber auch an Konrad Duden. Das gerade auch unter Berücksichtigung der industriellen Entwicklung die im Vorteil waren, welche die „Amtsprache“ am besten beherrschten, hat nicht nur mit dem praktizierten Bildungsprivilegien zu tun, sondern vor allen mit der daraus resultierenden Fähigkeiten des schnelleren Erfassens und besseren Ausdrückens.
Auf einem bestimmte Entwicklungsstadium der Produktivkräfte wurde eine Sprachform gebraucht, welche von den meisten verstanden wird, wobei dieses ein fortlaufender Prozess ist, welcher bei weitem noch nicht abgeschlossen, auch nicht abzuschließen ist. Dabei hat standardisierte Sprache einen weiteren entscheidenden Vorteil, sie ist nämlich in der Lage, die verschiedensten Einflüsse allgemeinverständlich in sich einfließen zu lassen. Welches bei überlieferten Dialekten nicht so einfach, wenn überhaupt, möglich ist. In diesem Zusammenhang gilt es meines Erachtens bei Dialekten zu unterscheiden, welche Ursachen ihrer Entstehung zu Grunde liegen, da reicht das Spektrum von historisch überlieferten (z.B. sächsisch), bis hin zur Vermischung der verschiedensten sprachlichen Einflüsse zu einen neuen Dialekt (z.B. berlinern).
Der Unterschied der Reflexion von Hochdeutsch als Herrschaftssprache oder nicht, auf dem Gebiet der ehemaligen DDR, sowie der ehemaligen BRD, ist eigentlich der Verschiedenartigkeit der gesellschaftlichen System und somit auch der Bildungssysteme geschuldet. Wo in der DDR das klassische Bildungsprivileg aufgehoben war, bestand und besteht es in der BRD weiter und Bildung war, ist und wird immer ein Kriterium der Macht sein. Somit wird sich Macht auch sprachlich auszudrücken und zu differenzieren wissen, Grundlage dafür ist aber Bildung, der Grad der Bildung, das Bildungsniveau etc., welches wiederum eine Voraussetzung der Macht, der Machtausübung, aber auch der Notwendigkeiten der Produktivkraftentwicklung geschuldet ist.
Verstehen und verstanden werden, hat nicht nur etwas mit Sprache zu tun, sondern auch mit Verständnis, dabei kann Sprache unterschiede manifestieren, wie auch negieren! In diesem Sinne hat das Hochdeutsche auch eine befreiende Wirkung, da es die Verständigung der Menschen über den Dialekt hinaus befördert und Unterschiede negiert. Nur, wie schon geschrieben, Sprache ist ein mächtiges Instrument, welches in erster Linie beherrscht sein will!
Gruß
Thomas